“Donnie Barko” – ein WBT von MATSE-Auszubildenden erklärt Schülern Barcodes
Wozu dient ein Barcode? Wie ist er aufgebaut? Wie berechnet man die Prüfziffer? “Donnie Barko” weiß es. Donnie ist die Leitfigur, die durch das gleichnamige Web Based Training führt. Ein Strichmännchen, das Schülern der 8./9. Klasse erklärt, was die Striche bedeuten sollen, die man im Supermarkt auf allen Produkten findet. Die Idee dazu hatten Angelika Pauli und Claudia Vonhasselt. Die beiden studieren im Rahmen der Ausbildung zu Mathematisch-technischen Software-Entwicklerinnen das Fach Scientific Programming (B.Sc.) an der FH Jülich. Im Wintersemester 2010/11 haben Sie am CiL die Vorlesung “Einführung in die Mediendidaktik” belegt und sich mit Lerntheorien, Instruktionsdesign und einem beispielhaften Entwicklungsprozess für eLearning-Software beschäftigt. Da erst die eigene Praxis lehrt, wie schwierig es sein kann, die Theorie in die Tat umzusetzen, sollten die Teilnehmer/innen der Veranstaltung in Zweiergruppen und auf Basis des Gelernten selbst ein Web Based Training entwickeln. Natürlich lässt sich im Rahmen einer Veranstaltung mit 3 SWS keine professionelle Lerneinheit entwickeln. Aber auch im kleineren Rahmen wurde schnell deutlich, wie aufwendig der Entwicklungsprozess ist, wie gute Ideen an der Klippe technische Umsetzbarkeit zerschellen können und wie am Ende dennoch ein gutes Produkt herausspringen kann.
Um die Umsetzung zu erleichtern, wurde den Teilnehmer/innen ein Orientierungsrahmen vorgegeben. Adressaten des WBT waren die Schülerinnen und Schüler, die das Schülerlabor InfoSphere besuchen. Als mögliche Themen standen bspw. Barcodes, Berechnung des kürzesten Wegs mit dem Dijkstra-Algorithmus oder Reise ins Innere des PCs zur Auswahl. Umgesetzt werden sollte die Lerneinheit schließlich mit dem Rapid-eLearning-Werkzeug Adobe Captivate. Diese Software ähnelt in ihren Grundzügen Microsofts PowerPoint. Man erstellt Folien, kann aber anders als bei PowerPoint auf einer Timeline verschiedene Medien, Tests, Navigationsbuttons, Übergänge, Animationen, Widgets sowie Inhaltsübersichten einfügen. Für die Auslieferung erstellt Captivate aus den Folien eine Flash-Datei, die im Browser abgespielt werden kann.
Nach Auswahl des Themas sollten die Teilnehmer/innen eine Zielgruppen- und eine Inhaltsanalyse durchführen. In der darauf aufbauenden Konzeptionsphase sollten sie Lernziele definieren, Struktur, Navigationsdesign und Layout entwerfen und – beispielhaft für einige Seiten – in einem Drehbuch detailliert festhalten, welche Inhalte und Medien später auf den einzelnen Seiten erscheinen sollten. Der – im Rahmen der Veranstaltung – letzte Schritt war die Produktion der Lerneinheit mit Captivate. Zu jedem Teilschritt gab es zudem ausführliches Feedback durch die anderen Teilnehmer/innen und den Dozenten.
Das fertige Programm “Donnie Barko” nun ist in drei Kapitel aufgeteilt: Wofür werden Barcodes genutzt? Wo werden sie eingesetzt? Wie funktionieren sie? Zunächst werden Informationen präsentiert, anschließend folgen Fragen, mit denen die Lernenden prüfen können, ob sie die Informationen verstanden haben. Am Ende folgt ein Abschlusstest. Wer besteht, bekommt außerdem ein Zertifikat. Die Schüler/innen können frei wählen, wo sie beginnen und wo sie die Bearbeitung der Lerneinheit fortsetzen möchten. Die Sektionen “Wissen” und “Üben” lassen sich auch separat ansteuern. Begleitet werden die Schüler/innen von der Leitfigur Donnie Barko, der hilfreiche Tipps und Feedback gibt.
Die größten Schwierigkeiten bei der Entwicklung bereitete die Software Captivate, mit der sich viele didaktische Ideen nicht wie gewünscht umsetzen ließen und die eine hohe Zahl an zeitintensiven Überarbeitungen nötig machte. Das fertige Lernprogramm blieb daher deutlich konventioneller als ursprünglich beabsichtigt. Entscheidend ist aber, dass die Teilnehmer/innen durch ihre eigene Aktivität erfahren konnten, wo Schwierigkeiten lauern, wie man ihnen begegnen kann und wie anspruchsvoll und aufwendig die Konzeption und Produktion von Lernmaterialien und -programmen insgesamt ist. Das bestätigten die Teilnehmer/innen durch ihr weitgehend positives Feedback zur Veranstaltung. Dennoch kann die Vorlesung in verschiedenen Punkten verbessert werden. So lassen sich vor allem die theoretischen Grundlagen straffen, um der praktischen Arbeit mehr Raum zu gewähren und den Zeitdruck auf die Teilnehmer/innen zu mindern. Zudem wird die praktische Umsetzung früher beginnen, um mehr Zeit zu schaffen für die Lösung von Problemen, die bei der Produktion auftauchen.


